25
Jan
2010

Der geringe Bruder Franz von Assisi

Franziskus

So wie ein stolzer Ritter zum Turnier
zog er als junger Mann ins Feld hinaus.
Da bat ihn Gott: "Franz, baue mir mein Haus,
denn es verfällt sonst auf der Erde hier."

Tat wie geheißen ohne viel Gebraus,
trug keine Schuh und nur sein Kreuz als Zier.
Doch liebte auf der Welt ihn jedes Tier,
der Wolf, das Lamm, die Katze und die Maus.

Wärn alle Christen Imitatio
von Christus wie der fromme Bruder Franz
am Fuße des Monte Subasio,

wir bräuchten keine silberne Monstranz
und die Geschöpfe wären alle froh
und unser Haus, es würde wieder ganz.
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20
Jan
2010

Träume und Taten

Magritte

Ein Sturm ergriff ihn schon in jungen Jahren,
ein wilder Wind im Wipfel jenes Baumes,
der Schatten bot zum Träumen eines Traumes,
dass alle einmal Gotteskinder waren.

Frei war er und bedurfte keines Zaumes,
am Ort, wo all die süßen, wunderbaren
Erkenntnisäpfel nah zum Greifen waren,
im Garten Eden, jenseits dieses Raumes.

Da hörte er die Stimmen der Dämonen:
Du kannst das Los der Gotteskinder wenden.
Für Gottes Wort zu töten wird sich lohnen!

Das Blut von Kindern klebt an seinen Händen.
Unter den kalten Blicken der Ikonen
singt er sein Klagelied den kahlen Wänden.

(Bild: René Magritte, Der bedrohte Mörder)
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15
Jan
2010

Renegaten

Macke1

Früher gab es Bäume dort,
die keck in die Landschaft ragten.
Doch man schaffte sie bald fort,
weil sie immerzu nur fragten.

Einer durfte im Palast
von den goldnen Tellern essen.
War er einst ein lieber Gast,
ist er heut verfemt, vergessen.

Einem wies man gleich die Tür.
Als er seinen Namen nannte,
sah man ihn nur als Satyr,
ach, wie wenig man ihn kannte.

Auch ein Prinzlein war dabei,
konnte mit dem Herzen sehen.
Kriegte Haue eins, zwei, drei,
zog es daher vor zu gehen.

Von der längst vergangnen Zeit,
von dem Erbe unsrer Väter
sang die Lyra, auch im Streit,
wurde so zum Übeltäter.

Ein ganz junger Mann war er,
wandelte auf Grodeks Wegen.
Kleine Reimer hatten’s schwer,
ihnen schlug sein Spott entgegen.

Kaiser, König, Edelmann
waren ernste, strenge Richter,
proklamierten Acht und Bann,
zeigten eherne Gesichter.

Stille schwieg das Publikum,
grollend wetzte es das Messer.
Ist es erst mal kahl und krumm,
weiß es manches vielleicht besser.

Nein, die Windsbraut fand’s nicht gut,
sah das Ungewitter kommen.
Fuhr dahin auf hoher Flut
mit den Fragenden und Frommen.

Übers weite blaue Meer
segeln nun die Renegaten.
Und sind alle Fässer leer,
gibt es Sprit und Satansbraten.

(Bild: August Macke, Dame in grüner Jacke)
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3
Jan
2010

Zweitausendzehn

Reisende

Was wird Zweitausendzehn wohl mit sich bringen?
Werd ich den Whisky ungetrübt genießen
oder ihn heulend in die Kehle gießen?
Wird mir im Spiel der große Wurf gelingen?

Werd ich zur Rumba meine Hüften schwingen,
den Sonntag mir mit Amour fou versüßen,
im Sackgewand für sieben Sünden büßen,
vielleicht sogar im Chor der Engel singen?

Gewiss dreht sich die Erde einfach weiter,
am Abendhimmel funkeln goldne Sterne,
dann fühle ich mich so unsagbar heiter,

geb dir nen dicken Kuss und hab dich gerne.
Am nächsten Morgen geht die Reise weiter,
das Abenteuer ruft, es lockt die Ferne...

(Bild: Carl Spitzweg, Reisende Komödianten)
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26
Dez
2009

Eine deutsche Weihnacht

Heartfield

Die Glocken klingen laut zum Weihnachtsfeste,
ein Stern blinkt hell wie eine Leuchtreklame.
Ein Fettfleck ziert das Abendkleid der Dame,
ein Rotweinklecks des Hausherrn weiße Weste.

Am Christbaum flackern letzte Kerzenreste.
Im Kripplein liegt ein Kind - wie war sein Name?
Es ist längst tot, zu schwach war Jesses Same.
Und dass es starb, war’s nicht für uns das Beste?

Im Garten kaut der Sohn auf der Zigarre,
stiert in die Nacht - die Nacht, in der sie wachten,
er und sein Freund, stets griffbereit die Knarre,

gemeinsam über Herrenwitze lachten.
Jetzt liegt er unterm Schnee in Leichenstarre.
Und morgen früh geht es erneut hinaus zum Schlachten.

(Bild: John Heartfield - Krieg und Leichen)
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21
Dez
2009

Schnee

Schnee

Neulich wuchs noch grüner Klee,
heute liegt darüber Schnee.
Durch den weißen Winterwald
pfeift Dezemberwind so kalt.

Schon um drei beginnt’s zu dunkeln,
nur die Eiskristalle funkeln.
Nicht der kleinste Sonnenstrahl
schimmert durch die Wolken mal.

Brauner Matsch spritzt durch die Straßen,
wenn die Autos drüber rasen.
Hab nen hellen Mantel an,
den ich nunmehr waschen kann.

Habe blaugefrorne Hände,
kalte Ohren ohne Ende,
eile heimwärts durch den Schnee,
sehne mich nach heißem Tee.

Bald wird uns ein Kind geboren.
Gestern ist ein Mann erfroren.
Obdachlos und ohne Schutz
lag er morgens tot im Schmutz.

Vögel piepen leis und kläglich,
Straßenkatzen friern unsäglich.
Dieser Winter kalt und rau,
der plagt nicht nur Mann und Frau.

Will mich weiter nicht beklagen,
will mich lieber einmal fragen,
ob ich denn nicht dann und wann
diesen Armen helfen kann.

(Bild: Adolf Friedrich Erdmann von Menzel,
Berliner Hinterhäuser im Schnee)
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20
Dez
2009

Der Polizist

Stripper

Ich ging zu nem Geburtstagsfeste,
dort waren eine Menge Gäste.
Unser Freund Thomas wurde dreißig,
das feierten wir froh und fleißig.

Die Korken knallten, Gläser klangen,
die Gäste tanzten, spielten, sangen,
auch ich las ein paar Verslein vor,
Musik drang lautstark an das Ohr.

Da klingelt es - verdammter Mist!
Zur Tür rein tritt ein Polizist,
der sagt sein Sprüchlein altbewährt:
Die Nachbarn hätten sich beschwert,

wir sollten bitte leiser sein!
Ein Spielverderber – wie gemein!
Sein sanft geschwungner hübscher Mund
tut uns die bittre Wahrheit kund.

Die Gäste schweigen ganz betreten,
ich fange heimlich an zu beten.
Wunder geschehn! Ohne ein Wort
wirft er nun seine Mütze fort,

knöpft seine Jacke auf im Nu,
steht vor uns ohne Strümpf und Schuh,
lässt Beine kreisen, Muskeln spielen -
wie gerne wär ich ihm zu Willen!

Da löst er seine Gürtelschnalle -
ich sitze längst schon in der Falle -
wirft ab den Slip, das dumme Ding,
steht vor dem Publikum im String,

streift den auch ab, ist nackt und bloß,
setzt sich dem Thomas auf den Schoß,
liebkost ihn und macht sonst noch was.
Vor Neid werd ich ganz grün und blass.

Sitz still und einsam in der Ecke,
läg doch so gern unter der Decke,
ganz atemlos und eng verschlungen
mit diesem wunderschönen Jungen.

Wunder geschehen in Sekunden
und sind genauso schnell verschwunden.
Er kam und ging – war es ein Traum?
Wie öd und leer ist jetzt der Raum!

(Bild: Stripper Maurice)
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15
Dez
2009

Berlinerick - Friedrichshain

Friedrichshain2

Es lebt eine Lady im Friedrichshain,
die sagt zu den Gentlemen niemals Nein.
Ob mager, ob fett,
sie findt alle nett.
Willst du ihre Anschrift, um sie zu frein?

(Bild: Indimedia)
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Berlinerick - Lichtenrade

Lichtenrade3

Ein Mann unten in Lichtenrade
verbringt viele Stunden im Bade.
Es schrumpelt die Haut,
da meint seine Braut:
"Für’n Schrumpfkopf bin ick mir zu schade."

(Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung)
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Berlinerick - Wartenberg

Wartenberg

Es war mal ein Männlein in Wartenberg,
das war fast so klein wie ein Gartenzwerg.
Jedoch an ihm hing
ein riesiges Ding,
drauf legten die Damen ihr Augenmerk.

(Bild: Blog Landschaftsarchitektur)
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