21
Mai
2010

Junisonne 2010

fussball2

Die Junisonne läuft sich langsam warm im All,
bald rollt sie über Afrika kugelrund und prall
und wie ein himmelwärts getretener Fußball
passiert sie das Hoffnungskap im freien Fall.

Unsre Gesänge begleiten sie übers Erdenrund,
alles dreht sich und tanzt um sie zu jeder Stund,
bei Sonnenuntergang küss ich ihren roten Mund,
versinke im süchtig machenden Feuerschlund.

(Bild: tvdkicker)
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12
Mai
2010

Der Cowboy Jim aus Texas

cowboy

Zu der bekannten Melodie zu singen:
h-g-g-a-g-g-e
h-g-g-a-g-g-f
g-g-g-a-g-h
a-g-f-e-d-c
g-g-h-a-g-g-e
g-g-g-f-e-d-c

Der Cowboy Jim aus Texas
auf einem Karussell saß,
sein Kopf, der war aus Stroooh,
und darauf saß ein Floh.

Jippijeeh, Jippijooh,
Jippijeh-jeh-jeh-jeh-joh.

Der Floh tat Jim begleiten
zu allen Tageszeiten,
frühmorgens auf das Klo,
zum Späti ebenso.

Jippijeeh, Jippijooh,
Jippijeh-jeh-jeh-jeh-joh.

Ach, hätte Jim nur Mäuse
statt Flöhe, Wanzen, Läuse
und keinen Kopf aus Stroooh,
dann söff er Wöffkliko.

Jippijeeh, Jippijooh,
Jippijeh-jeh-jeh-jeh-joh.

(Bild: Cowboy bei der Arbeit, 1880)
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An einen Sonettendichter

corvinus

Der Honigseim ergieße sich auf dich!
Oh ja, das ist des Schicksals Ironie,
denn loben will ich dein Sonett, und wie!
Ich weiß, du findest das ganz fürchterlich.

Genüsslich hast du jedes Wort gesetzt,
"drei Hosiannah", "Anathemator",
gewürzt mit einem guten Schuss Humor.
Gefällt mir gut, selbst wenn dich das verletzt.

Leichthändig legst du dein "Gemeter" hin,
wie man’s gewöhnt ist vom Sonettenfreak,
damit der Ixer nichts zu meckern findt.

Und was du niederschreibst, das hat auch Sinn,
verhilft dem Suchenden vielleicht zum Sieg.
Drum lob ich dich, du liebes Musenkind.

(Bild: König Matthias Corvinus von Ungarn)
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5
Mai
2010

Ach, Hellada! - Ah, Ellada! - ¡Ah, Hélade!

Athene

Ach, Hellada!

Am Boden liegst du, Hellas,
einst sanfter Hort Europas.
Des Schmerzes heißer Sand
weht über Griechenland.

Wo blieb dein Held Achilleus
und wohin trieb Odysseus?
Kein Retter hebt die Hand
für dich, mein Griechenland.

Wie Ödipus, der Blinde,
geführt von einem Kinde,
den Krückstock in der Hand,
so bettelt Griechenland.

Athene soll uns lenken,
den Völkern Weisheit schenken,
sonst steht in hellem Brand
bald nicht nur Griechenland.


Ah, Hellada!

You’re tumbling down, Ellada,
fond shelter of Europa.
A painful desert sand
is raging through the land.

Where went the great Achilles,
where disappeared Ulysses?
No one will raise his hand
for Greece, my bonnie land.

Like Oedipus, the blind man,
led by a little infant,
just pittance in his hand,
you’re rambling through the land.

Athena may direct us,
may prudently protect us,
elsewise a firebrand
will blaze in every land.

¡Ah, Hélade!

Estás cayendo, Hélade,
Amable refugio de Europa.
Una dolorosa arena del desierto
Está furioso por la tierra.

¿Dónde fue el gran Aquiles,
Dónde desapareció Ulises?
Nadie levantará la mano
Por Grecia, querida tierra.

Como Edipo, el ciego,
Conducido por un niño,
la muleta en la mano,
Estás rogando por la tierra.

Athena puede dirigirnos,
Dar sabiduría a nos pueblos,
si no, un gran fuego
se quemará en nuestra tierra.

(Bild: Parmigianino, Pallas Athene)
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4
Mai
2010

Tu's nicht!

bundeswehr2

Immer wurden sie bestohlen,
mal ganz dreist und mal verhohlen,
die Indianer, die Kreolen,
die Afghanen und die Polen.

Tu nicht, was man dir befohlen,
nimm fürs Töten keine Kohlen,
folg nicht Helden und Idolen,
ausstaffiert mit Kriegssymbolen.

Hörst du sie zum Angriff johlen,
hörst das Rattern der Pistolen,
mach am besten dich verstohlen
gleich davon auf leisen Sohlen.

(Bild: Deutsche Soldaten der schnellen Eingreiftruppe üben bei Masar-i-Scharif ein Feuergefecht, dpa)
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1
Mai
2010

Zehn kleine Nazilein

Wichertstr

Zehn kleine Nazilein, die wollten marschiern in Reihn,
die Prenzlberger sagten Nein! Da waren’s nur noch neun.

Neun kleine Nazilein, die wurden ausgelacht
am S-Bahnhof Bornholmer Straß, da waren’s nur noch acht.

Acht kleine Nazilein sind schon bald stehn geblieben,
nach ein paar hundert Metern nur, da waren’s nur noch sieben.

Sieben kleine Nazilein und rund rum flog die Hex,
die Hex von der Walpurgisnacht, da waren’s nur noch sechs.

Sechs kleinen Nazilein, den’ qualmten schon die Strümpf,
und einer gab schnell Fersengeld, da waren's nur noch fünf.

Fünf kleine Nazilein, die wollten gern ein Bier,
doch tranken es die Zecken weg, drum waren's nur noch vier.

Vier kleine Nazilein, die machten viel Geschrei,
doch lauter war die Tanzmusik, da waren’s nur noch drei.

Drei kleine Nazilein am Roten Ersten Mai?
Nein, das ist unser Feiertag! Da waren’s nur noch zwei.

Zwei kleine Nazilein, die wollten mutig sein,
da kam die grüne Minna an, so gab es nur noch ein’.

Ein kleines Nazilein hat sich davon gemacht.
Die Prenzlberger feiern nun bis morgen früh um acht.

(Bild: Sitzblockade)
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17
Apr
2010

Pablo Neruda

Neruda1

Hoch überm Elternhaus
kreiste der Kondor
mit blutigen Krallen
rief ihn in die Welt hinaus

Und er verließ sein Land
die Erde so rot
von dem Blut seiner Väter
wo er nur Elend fand

Fern in der alten Welt
im Land der Konquistadoren
das um die Freiheit rang
wurde er Dichterheld

Bis mordend der Kondor kam
herabstieß vom Himmel
mit blutigen Krallen
ihm Federico nahm

Rund um den Erdball klang
über Vulkane und Ozeane
bis runter nach Feuerland
machtvoll sein großer Gesang

Fand einen neuen Freund
schon nahte der Kondor
mit blutigen Krallen
Chile nun beide beweint

(Bild: Pablo Neruda)
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Frei

Taenzerin

Ich habe freie Fahrt, kann laufen,
kann schwarzfahrn, kann ein Ticket kaufen.

Ich habe frei, kann was erleben,
den ganzen Monatslohn ausgeben.

Bin frei und kann nach Malle fliegen,
dort gröhlend unterm Tresen liegen.

"Ich bin so frei, gestatten Sie?"
Schon legt er mir die Hand aufs Knie.

Ja, selbst dem Moslem, bitte schön,
dem steht es frei, nach Haus zu gehn.


Nein, diese Freiheit mein ich nicht.
Aus meiner Sicht lohnt sie sich nicht.

Frei fühl ich mich an frischer Luft,
wenn mich kein Chef zur Arbeit ruft.

Frei bin ich, wenn mich goldne Sterne
des Nachts begrüßen aus der Ferne.

So frei im hellen Sonnenschein,
denn du lädst mich zum Kaffee ein.

Frei sein, das kostet nichts, ist frei.
Ein bisschen Spaß ist auch dabei!

(Bild: Otto Müller, Neger und Tänzerin)
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Der Domestike

Bazille2

Es lebte einst ein Domestike
so tugendhaft wie ein Spartaner,
jedoch im Dienst von Madame Nike
wurde er heimlich zum Schuhspanner.

Pantöffelchen aus reiner Seide,
mit bunten Federn reich geschmückt,
wie oft hat diese Augenweide
den Liebestollen still beglückt.

Die Riemchen güldner Sandaletten
bereiteten ihm süßen Schmerz,
sie wanden sich gleich schweren Ketten
auf ewiglich um Hand und Herz.

Nachts spiegelten sich tausend Sterne
hell auf den Tanzschuhen aus Glas,
in heißem Sehnen hat er gerne
darin vergraben seine Nas.

Die Stiefel mit den hohen Hacken
aus weichem Leder bis zum Knie
wichste er mit gebeugtem Nacken
in selbstvergessener Manie.

Als ihn die Domina entdeckte,
trat sie ihn wütend grün und blau,
worauf er wie ein Hund verreckte
zu Füßen der grausamen Frau.

Lass dich nicht blenden von den Frauen,
von ihrem Glanz und schönen Schein.
Denn wirst du ihre Schätze schauen,
wirst du sogleich verloren sein.

(Bild: Frederic Bazille, La Toilette)
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9
Apr
2010

Vom Fluch der Leiblichkeit

Armut1

Im Kellerloch, da liegt ein Mann
in schmutzbefleckten Laken,
ein rechter Hungerhaken,
der leere Brotkorb gähnt ihn an.

"Sei’s drum!", so spricht der arme Wicht
und stielt eine Speckseite,
drauf sucht er rasch das Weite,
doch dem Gendarm entgeht er nicht.

Und Hokus Pokus Fidibus
muss er am Galgen hangen.
Das leibliche Verlangen
brachte dem Buben nur Verdruss.

Sein Tod soll nicht von Übel sein,
der Pfaffe hat's gepredigt:
Nunmehr des Leibs entledigt,
verlangt die Seel nicht Brot noch Wein.

Derweil am Galgen hängt die Leich
als Festmahl für die Raben,
entfleucht die Seel des Knaben
als Englein froh zum Himmelreich.
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6
Apr
2010

Kleine Ode bei Nacht

Baluschek2

Durch die Nacht im Scheinwerferlicht der Wagen,
Leuchtreklamen weisen den Weg zum Liebsten.
Schnell ein Kuss, die Straßenlaternen strahlen.
Lichter der Großstadt!

(Bild: Hans Baluschek, Heimweg)
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Verlorenes Paradies

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